mein Hörsturz :-(

Welche Erfahrungen haben Sie mit Hörsturz oder Tinnitus gemacht. Wie ist es bei Ihnen entstanden? Berichten Sie von Ihren Therapieversuchen oder -erfolgen.
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Joachim62
Beiträge: 1
Registriert: Fr 20. Jul 2012, 16:07

mein Hörsturz :-(

Beitrag von Joachim62 »

Hallo liebe Mitleidenden,
ich möchte hier auch meine Erfahrungen mit meinem Hörsturz beisteuern. Es ist mir ganz wichtig zu betonen, dass das Festhalten an bestimmten Zeitfenstern bzgl. des Genesungsfortschrittes aus meiner Erfahrung nur den ohnehin bestehenden Streß erhöht. Im Prinzip gibt es keine wirklich falschen Entscheidungen. Dies macht es für den Betroffenen zwar nicht leichter - es besteht aber immer Anlaß zu Hoffnung. Lest selbst - so war es bei mir:

Mein Hörsturz
Tag 1
morgens ist mein rechtes Ohr leicht wattig - wie als wäre etwas Wasser im Ohr. Ansonsten geht es mir gut. Also ab zur Arbeit. Die Beschwerden waren während des Tages mal mehr mal weniger zu spüren. Eine richtige Hörbeeinträchtigung bestand noch nicht. Ich habe mir manchmal ans Ohr gegriffen und mal gedrückt - sonst nichts.
Tag 2
unverändert zu Tag 1. Ja, da ist was mit dem Ohr - aber störend ist es noch nicht. Also normaler Tagesablauf.
Tag 3
Jetzt werde ich langsam unruhig. Das geht nicht weg und wird jetzt doch störend. Der Druck auf dem Ohr nimmt zu und ich höre nicht mehr so gut. Trotzdem gearbeitet und nach der Arbeit ins Krankenhaus. Mittwochs haben bei uns fast alle Ärzte zu. Im Krankenhaus dann untersucht worden und Hörtest gemacht. Der Hörtest auf dem rechten Ohr war merklich schlechter als auf dem gesunden linken - jedoch noch im Bereich, dass eine stationäre Behandlung nicht gestartet werden kann. Wir haben uns auf Kortisontabletten geeinigt, die ich am nächsten morgen das erste mal nehmen sollte.
Tag 4
Tabletten genommen und zur Arbeit. An der Arbeit dann dramatische Verschlechterung eingetreten. Rechtes Ohr war gefühlt taub und nichts gehört! Arbeit abgebrochen und wieder ins Krankenhaus. Neuer Hörtest - massiv verschlechtert. Das Ergebnis war jetzt im Mittelfrequenzbereich unter 50%. Ich wurde stationär aufgenommen und an den Tropf gehängt. Eine Infusion Cortison, danach Trental 600.
Tag 5, 6, 7
Infusionen und hoffen, dass das Hören zurückkommt.
Gefühlt ist noch keine Besserung eingetreten. So intensiv habe ich noch nie versucht zu hören - schon komisch.
Tag 8
neuer Hörtest. Unterirdisch schlecht. Schlechtester Punkt unter 75% - also fast nichts. Ich habe beim Hörtest sogar die Töne eher auf dem gesunden Ohr gehört, obwohl die Tonquelle auf dem schlechten Ohr war. Frustrierend - und das nach 4 Tagen Infusion :-(
Der Arzt klärt schon mal über die Behandlungsalternativen auf.
a. Tympanoskopie (Tympanotomie)
b. Injektion ins Mittelohr
Beides sind recht bewährte Verfahren mit vertretbarem Risiko, wobei die Op natürlich ein wesentlich massiverer Eingriff in das filigrane Ohr darstellt.
Und wie immer ist zeitnahes Behandeln wichtig für einen eventuellen Erfolg - für den es gerade bei Hörsturz keine Garantie gibt. Alle Behandlungen sind Versuche, die schwer von der Selbstheilung abzugrenzen sind. Daher ist es schwer zu sagen, was jetzt den Erfolg, wenn einer eingetreten ist, brachte. Hier wagt sich kein Arzt aus der Deckung - leider.
Tag 9
neuer Hörtest - uff - etwas besser, leider nur leicht. Ich habe mich noch nie in meinem Leben so auf Töne konzentriert. Die Hörkurve ist um ca. 10% gestiegen. Der schlechteste Wert lag bei ca. 60%. Hoffnung! Mit dem Arzt auf folgendes Vorgehen verständigt. Hörtest am nächsten Tag abwarten. Wenn unverändert - dann OP, wenn leicht besser - dann Spritzen, wenn kräftig besser - abwarten.
Aber ich merke, dass Ohr hat noch ein Hörvermögen - da ist noch was!
Tag 10
neuer Hörtest - wieder etwas besser. Wieder rund 10%, sodass der schlechteste Wert jetzt bei ca. 50% liegt. Der Arzt sagt, dass ist ein tolles Ergebnis!
Also was machen? Bei einer Op können evtl. Risse in den Membranen abgedichtet werden (man sieht sie zwar nicht - macht es aber vorbeugend), beim Abwarten und den Spritzen hofft man auf Selbstheilung. Man weiß es halt nicht. Der Arzt sagt, es gibt keine falsche oder richtige Entscheidung. Das mit den Spritzen ist zumindest eine gute Entscheidung! Das macht Mut. Am Nachmittag dann die erste Spritze (von 5) bekommen. Das Trommelfell wird vorab mit Watte betäubt, dann wird mit einer hauchfeinen Kanüle hinter das Trommelfell gespritzt. Hierbei sollen die entzündungshemmenden Mittel lokal wirken. Ist nicht unbedingt angenehm - aber ok. Die Flüssigkeit soll möglichst lange vor Ort wirken und nicht gleich wieder abfließen - deswegen ist der Einstich ziemlich oben im Trommelfell. Direkt danach hört man natürlich nicht mehr so gut. Aber nach ein paar Stunden war es wieder so wie vorher. Morgen kommt die nächste...
Tag 11
Infusionen und mittags die zweite Spritze. Man gewöhnt sich daran. Das Ohr arbeitet innerlich und das Hören ist, nachdem die Flüssigkeit wieder weg ist, gefühlt nicht schlechter.
Tag 12
neuer Hörtest. Der schlechteste Wert ist jetzt nur noch bei 30% - die gesamte Kurve ist hochgerutscht - endlich :-) Ich habe Hoffnung, dass mein Ohr sich wieder selbst hin bekommt. Heute mittag kommt die dritte Spritze...auch das überlebt (ist nicht schlimm, nur komisch). Morgen werde ich entlassen - und hoffe auf weitere Genesung/Verbesserung. Die beiden letzten Spritzen lassen wir weg.

...also nicht verzweifeln - lasst Euch Zeit! Viel Glück!

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