Think positiv!!!

Welche Erfahrungen haben Sie mit Hörsturz oder Tinnitus gemacht. Wie ist es bei Ihnen entstanden? Berichten Sie von Ihren Therapieversuchen oder -erfolgen.
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simon
Beiträge: 1
Registriert: Di 7. Jun 2011, 13:41

Think positiv!!!

Beitrag von simon »

Meine persönliche Geschichte mit dem Hörsturz begann vor ca. 1,5 Jahren als ich zum ersten mal merkte das ich bestimmte Frequenzen unterschiedlich wahrnehme, vor allem viel mir das am Handy auf. Ich besuchte ein bis zwei Tage später gleich einen HNO der mir ein Nasenspray verschrieb. Wahrscheinlich hätte ich diesen Mini-Hörsturz auch nie als solchen wahrgenommen wenn es nicht noch zu Nr. 2 und 3 gekommen wäre. Jedenfalls war der Spuk beim 1. Mal nach ein paar Tagen von selber vorbei.
Ein paar Monate später kams dann umso heftiger. Von einem Tag auf den anderen hatte ich ca. 60% Hörverlust begleitet von einem heftigen Tinnitus und Watte. Ich ging dieses mal zu einem anderen HNO der mir lediglich Corticosteroide verschrieb. Leider hatte sich an der Situation nichts berbessert und ich suchte HNO Nr. 3 auf der mich sofort auf eine Infunsionstherapie brachte. Nach 4 Tagen Infusionen war der Hörsturz erledigt. Die Tabletten sollte ich noch einige Zeit einnehmen aber nachdem ich ja wieder gut hörte hatte ich diese schnell abgesetzt.
Hörsturz Nr. 3 war genau vor 9 Tagen und dieses mal war es überhaupt nicht spassig. Hörschaden von über 80% und den heftigsten Tinnitus bisher natürlich eingepackt in Watte. Meine Reaktion dieses mal war folgende: „Den ignoriere ich jetzt und gehe erstmal Joggen und danach Schwimmen“. Einen Tag später war es noch heftiger und meine Reaktion war jetzt gehe ich erstmal Bergwandern. Ach so ich hatte ja noch die Corticosteroide die zwar schon vor 4 Monaten abgelaufen waren also nahm ich die auch noch ein und zwar ohne HNO. Am 3. Tag ging ich dann doch direkt in die Klinik und wollte mich wieder eine Infusionstherapie verpassen lassen. Leider hielt die zuständige HNO-Ärztin nicht viel davon und verschrieb mir lediglich Tabletten (Betahistamin) und wollte micht zur Beobachtung 10 Tage im Krankenhaus behalten damit sie „eine Diagnose stellen könnte“.
Bevor ich nun weiterschreiben nun paar Infos zu meiner Person. Ich bin 38 Jahre alt, wohnhaft in Kroatien, Manager, Sportler, NR und versuche mich so gesund wie möglich zu ernähren. Da ich seit Februar beruflich freigestellt bin hab ich natürlich noch mehr Sport getrieben wie bisher. Vor allem meine liebste Leidenschaft das Speerfischen im Meer, das ist praktisch Freitauchen also Tauchen mit Luftanhalten (Apnoe). Wahrscheinlich ist letzteres der Grund für die 3 Hörstürze da ich jedes mal bevor ich einen bekam jeweils beim Freitauchen war (10-15m mit bis zu 3 Minuten Apnoe).
Also rein physikalisch gehöre ich überhaupt nicht zur der Risikogruppe für Hörsturz und ich natürlich habe ich die anderen Standarduntersuchungen auch über mich ergehen lassen. Blut, MR usw alles negativ.
Wie ging es dann weiter? Nachdem ich merkte dass ich mein Gehör sich überhaupt nicht verbesserte trotz der Tabletten und der Corticosteroide bin ich geradewegs zum Dok gefahren der mir beim 2. Mal die Infusionstherapie verschrieb. Voller zuversicht bin ich dann am Tag Nr. 4 nachdem Hörsturz zu ihm hingefahren. Nach der Untersuchung kam die Ernüchterung. Der Hörschaden ist enorm und über 80% und die Heilungsprognose dieses mal unter 50%. Ich war wie versteinert konnte es nicht wahrhaben und es brach für mich eine Welt zusammen. Wieso um Teufels willen hat sich der Doc so abgegrenzt? Hatte er in letzter Zeit vielleicht mißerfolge mit der Infusionstherapie gehabt? Er machte mir noch Trost in dem er sagt ich wäre ja noch jung und vielleicht ginge da noch was. Einen Tag später war es dann wieder soweit und ich hing an der Nadel, mittlerweile war ich wieder optimistisch da es ja das letzte mal auch klappte. Es vergingen noch 2 Tage und mein Zustand hatte sich leider dieses mal nicht verbessert. Panik brach bei mir schon aus und ich wollte die Therapie unbedingt abbrechen und direkt zur Sauerstofftherapie übergegen. Natürlich war ich wie wild beim surfen habe alle möglichen Artikel, Forenbeiträge aus aller Welt gelesen. Mir fiel eigentlich immer auf das die meisten, dies was zu berichten hatten eigentlich immer negative Erfahrungen hatten. War ja bei mir nicht anders da ich ich die ersten 2 Male auch nichts aufschrieb und mich nicht mitteilte. Schnell vergisst der Gesunde die Krankheit und die damit verbundenen Kümmer. Am Tag Nr. 4 war ich mir nicht mehr sicher ob ich nun besser hörte oder nicht.? Ich hatte immer das gleiche Ritual bei meinen eigenen Hörtest (es war Wochenende im Krankenhaus und da gibts keinen Hörtest). Ich spielte in Youtube das Lied „Je veux“ von Zaz ab und den Kopfhörer hielt ich mir fest aufs linke Ohr wobei ich das rechte mit Oropax zustopfte. Am Anfang ist ein kurzes Interview mit der Sängerin und danach fängt das Lied an. Sie wird begleitet von einem Kontrabass und einer Gitarre. Am Anfang vom Lied wird getrötet. Genau die Tröte war es die ich kaum heraushörte alles andere konnte ich die ganze Zeit nicht hören. Aber am Tag Nr. 4 hörte ich auch die Stimme und ein Hauch von Bass und Gitarre. Doch ich war mir trotzdem nicht sicher, was wenn die Lautstärke jetzt höher war als bei den vorigen 3 Tagen, was wenn ich es mir nur einbilde? Das zweite Ritual war wie immer der Telefonton beim Händy, höre ich ihn oder nicht?
Jedenfalls war am Tag Nr. 4 im Krankenhaus dann endlich der Hörtest. Nervös und voller ungeduld ließ ich ihn über mich ergehen und das Resultat war das ich bei meiner Hörkraft schon bei 50% angelangt war. Ich konnte es nicht fassen vor Freude, war völlig außer Rand und Band. Der Dok meinte das nun die Prognose auf weitere Besserung viel besser stünden aber eine gänzliche Heilung ist dieses mal nicht zu erwarten. Egal, dachte ich mir. 50% ist besser als 20% und ich bin dankbar für jede einstellige Ziffer. Sogal der Tinnitus war mir erstmal egal. Also gab es am Tag Nr. 5 nochmals eine Infusion und dann bin ich entlassen worden. Tag Nr. 6 ist heute, bin wieder auf Tabletten und war heute 1,5 Stunden in Sauerstofftherapie. Ich fühle das ich stündlich besser höre, den Tinnitus ignoriere ich und baue auf den Sauerstoff. Die Tabletten werde ich dieses mal wie verschrieben mind. 2 Monate zu mir nehmen und die Sauerstofftherapie mind. 10 mal. Ich bin noch nicht durch und ich hoffe es gut letzendlich gut aus. Das Tauchen lass ich erstmal sein, ich werde nicht mehr den Sportshelden spielen. Ich werde die nächsten Tage relaxt angehen lassen und und mich voll auf die Genesung konzentrieren. Aber bevor ich jetzt hier aufhöre wollte ich nur noch eines loswerden. In all dieser Zeit bin ich durch alle Höhen gewandert. War Anfangs Arrogant, dann optimistisch danach pesimistisch teil depressiv vor allem als sich in den ersten Tagen der Infusionstherapie nichts tat. Eine große Stütze spielte für mich meine Frau die mir die ganze Zeit Mut zusprach und nicht zuließ dass ich die Therapie vorzeitig abbreche. Ich will euch, meinen Leidensgenossen die ihr das hier gerade liest, Mut zusprechen. Gibt nicht auf, ihr müsst positiv denken aber auch ein bisschen auf euch selber hören. Wenn ich nicht auf die Infusionen gedrängt hätte wär es wahrscheinlich nicht besser geworden, aber das kann ich natürlich nicht beweisen (Thema Selbstheilung). Außerdem kann es sein das bei jedem was anderes wirkt.
Dies ist nun meine Geschichte bis heute und ich hoffe ich konnte einigen von euch Mut machen obwohl ich selber noch nicht ganz raus bin.

taubenuss
Beiträge: 4
Registriert: Di 1. Mai 2012, 16:44

Re: Think positiv!!!

Beitrag von taubenuss »

Tolle Geschichte, Simon!

Wie geht es dir heute? Kannst du wieder normal hören? Wir oft warst du in der Druckkammer?

Gruß, taubenuss

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